Fragen an den Züchter?

Sie haben eine Liste von in Frage kommenden Züchtern zusammen gestellt und möchten jetzt erstmalig persönlichen Kontakt aufnehmen. Nicht immer ganz einfach, wie fängt man an und hoffentlich stellt man nicht die falschen Fragen?! 

Wenn Sie es nicht bereits über eine Züchterhomepage erfahren konnten, ist die erste Frage: Gibt es zur Zeit Welpen?

Schauen Sie aber wirklich auf der HP nach. Ich bekomme relativ oft Anrufe oder Mails, in der nur gefragt wird: Haben Sie Welpen? So gut wie jeder Züchter zeigt dies an, auf der eigenen HP, beim Zuchtverband usw., so  dass ich im Umkehrschluß vermute, dass hier jemand wahllos rumfragt. Es könnte also einen besseren Einstieg geben.

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Wenn also Welpen da sind, fragen Sie natürlich, ob noch Welpen frei sind, und wenn ja, welche/r.

Wenn dies erstmal für Sie interessant ist, fragen Sie einfach einiges an Details ab, die Ihnen wichtig sind. Z.B. Haarart, Farbe oder Wesen.

IMGP1185 Beim Parson (Jack) Russell Terrier ist die Farbpalette von weiß, über rot-weiß, lemon-weiß, tricolor, schwarz-weiß in unterschiedlichster Kombination und Menge sehr facettenreich vorhanden – gestromt ist allerdings nicht gestattet und immer ein Zeichen für sog. Fremdblut.

In Deutschland besteht Kupierverbot von Ruten (und Ohren) – Ausnahme: Jagdliche Leistungszuchten im PRTCD e.V.!

Fragen Sie also ruhig nach, ob die Welpen kupiert sind – sollte dies der Fall sein und der Welpe stammt nicht aus einer (anerkannten) jagdlichen Zucht, sollten Sie durchaus nachfragen, warum dies so ist. Kupierte Ruten sind außerhalb der jagdlichen Leistungszucht verboten und deshalb würde ich an dieser Stelle Abstand vom Kauf nehmen. Offiziell kupierte Hunde dürfen auch nur an Jäger abgegeben werden, nicht an „Otto-Normalo“.

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Kupierter Rüde aus jagdlicher Leistungszucht: Fips vom Watzenhahn

Erkundigen Sie sich nach dem Zwingernamen und nach dem aktuellen Buchstaben (für die Namensgebung) bei diesem Wurf. Hier können Sie vielleicht sogar noch den Namen ihres Welpen mitbestimmen.

Gibt es bei diesem Züchter zur Zeit mehrere Würfe. Wenn ja, erkundigen Sie sich, ob es Würfe der gleichen Rasse sind und wie viele Zuchthündinnen der Züchter hat. Dies muss überhaupt kein Problem darstellen, weil bei Züchtern mit mehreren Hündinnen, sich die Läufigkeiten oft angleichen und es durchaus Sinn macht, diese (natürlich so, dass es händelbar ist) gleichzeitig zu belegen, was auch den Welpen (mehr Spielpartner) zu Gute kommt. In seriösen Zuchtverbänden wird bei einer Belegung von zwei Hündinnen immer darauf geachtet, dass alle Hunde ausreichend Platz haben, auch bzw. gerade, wenn die Welpen dann geboren werden.

Deshalb kann dies auch ein Hinweis sein, der nicht positiv ist. Hier also nachfragen, der Züchter, der hier gerne und problemlos Auskunft gibt, hat sicherlich auch keinen Grund etwas zu verbergen.  alle_zusammen

Wenn nein, dann fragen Sie nach dem nächsten geplanten Wurf und nach den Eltern dieses Wurfes.

Fragen Sie nach, wie die Welpen geprägt werden, was der Züchter hier unternimmt.

In welchem Verband ist der Züchter Mitglied? Haben Sie die Züchteradresse nicht von einer Welpenvermittlung, fragen Sie hier nach und erkundigen sich über diesen Verband.

Fragen Sie ruhig nach Ausstellungserfolgen oder Leistungskennzeichen. Ein Hund z.B. aus reiner Leistungszucht kann hohe Anforderungen an einen Ersthundebesitzer stellen, während bei reinen Schönheitszuchten manche rassetypische Eigenschaft schon etwas in den Hintergrund tritt. (kann, muss nicht….)

Deshalb immer gut nach den Eigenarten der Welpen (wenn schon erkennbar) fragen! Ein Züchter kann ab einem bestimmten Alter der Welpen meist schon gut abschätzen, wie sich der Charakter des Welpen darstellt. Noch einfacher ist soetwas, wenn Sie den Züchter besuchen und mehr Zeit mitbringen.

Daraus ergibt sich gleich die nächste Frage: Wie schätzt der Züchter das Wesen der Mutter ein? Natürlich ist jeder Züchter ziemlich begeistert von seiner Hündin, aber durch seine Beschreibung können Sie oft schon erkennen, worauf er besonders Wert legt. Das Gleiche gilt natürlich für den Deckrüden, der aber oftmals nicht im Besitz des Züchters ist, so dass die Beschreibung desselben durchaus neutraler ausfallen kann.

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Black Jack vom Burgholz

Wenn Sie denn dann den Züchter besuchen: Ist es möglich Mutter und Welpen zu sehen. Unter normalen Umständen ist dies bei seriösen Züchtern immer möglich, ein Hundehändler hingegen hat die Mutter der angebotenen Welpen meist nie gesehen. Wird dies – ohne plausible Erklärung – abschlägig beantwortet, brauchen Sie gar nicht weiterfragen.

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Fragen Sie, ob Sie die Ahnentafel der Mutter/Eltern sehen können. Zumindest die Papiere der Mutter müssen da sein, sonst s.o. (Ende der Vorstellung). – Achten Sie bei den Papieren auch darauf, was für ein Rassezuchtverband die Papiere ausgestellt hat. Es gibt hier einige Phantasiepapiere, die leider das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen. Haben Sie Zweifel, schreiben Sie sich den Verband auf und erkundigen sich dann später danach. Sehen Sie Papiere vom VDH (KFT oder PRTCD) oder aus der FCI können Sie sich jederzeit bei diesen Verbänden erkundigen.

Fragen Sie auch nach Impfungen und Entwurmungen, welche, wie oft und wann?

Wann wird die Ahnentafel des Welpen übergeben? Dies erfolgt meist erst nach Abgabe des Welpen, weil die Wurfabnahme erst mit der 8. Woche erfolgt, dann aber die Welpen schon abgegeben werden. Die Übersendung der Papiere kann also länger dauern, was aber völlig normal ist.

Ach ja, und der Preis, natürlich, auch wenn dies nicht im Vordergrund stehen sollte bei der Anschaffung eines Hundes, der wohl so um die 10 bis 15 Jahre lebt, müssen Sie hierzu schon fragen. Die Rasseverbände geben nicht immer einen Preis vor,  erkundigen Sie sich also auch in den Gesprächen, wieviel ein Welpe kosten soll. Lassen Sie sich bitte NIEMALS über einen günstigen Preis ködern.

Und stellen Sie diese Frage bitte erst, wenn Sie wirklich Interesse an einem Welpen aus dieser Zucht haben. Nichts ist für einen engagierten Züchter schwerer auszuhalten, als wenn ein Interessent, ohne auch nur eine Frage nach den Welpen gestellt zu haben, gleich nach dem Preis fragt. (Wie bei einer Ware!!) Wir, als Züchter, und das gilt für viele, die ich kenne, lieben diese kleinen Wesen mehr als man sich manchmal vorstellen kann. Sie abzugeben ist eh schon schwierig, aber, wenn, dann sollen Sie auch geschätzt und geliebt werden und nicht nur angeschafft werden, wie ein Möbelstück. Nach dem Motto: Sieht gut aus, paßt bei uns rein und muss funktionieren. Seien Sie sicher, so werden Sie keinen Hund von einem engagierten Züchter bekommen.

Leider wirkt dieser Ablauf jetzt sehr schematisch, im wirklichen Leben wird sich hoffentlich schnell ein nettes Gespräch entwickeln, in dem Sie feststellen, dass sie schon an der richtigen Adresse sind. Je mehr Fragen Sie beantwortet bekommen und je mehr Sie über die Philosophie erfahren um so besser.

Und noch ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Lassen Sie sich nicht bedrängen und nehmen Sie sich die notwendige Zeit um ganz sicher zu gehen. Ein persönlicher Kontakt ist unumgänglich, denn auch ein noch so sorgfältig und genau geführtes Telefonat, ersetzt nicht den tatsächlichen Augenschein.

Hundekauf ist Vertrauenssache!

Und trotz aller Vorsicht, auch das muss gesagt werden. Man kann sich nicht vor allem schützen, Mutter Natur geht hin und wieder auch Wege, die bei aller Sorgfalt nicht planbar sind.