Aujetzkische Krankheit

AK oder Pseudowut ist ein Krankheit, die durch einen Herpes Virus hervorgerufen wird. Es handelt sich hierbei also nicht um eine Erberkrankung, aber da vielen Menschen nicht bewußt ist, worum es sich hierbei handelt, möchte ich es mit aufnehmen, da eine Infektion für einen Hund IMMER tödlich ist.

Betroffen sind Wildschweine, Hausschweine können genauso erkranken und die Wanderratte. Betroffene Tiere können äußerlich vollkommen gesund wirken, deshalb ist es umso tückischer, da ein erlegtes erkranktes Tier nicht von einem gesunden unterschieden werden kann.

Übertragen wird die Krankheit u.a. auf Hunde, die Kontakt zu den erkrankten Tieren haben. Entweder, wie hier auch weiter unten beschrieben, mit dem infizierten Blut oder den Schleimhäuten, die als besonders infektiös gelten.

Vorsichtsmaßnahmen:

  • kein Beuteln von erlegten Stücken
  • kein Verfüttern von rohem, erlegten Schwarzwild
  • Kontakt mit Schwarzwild auf ein Minimum begrenzen
  • Hunde vom Streckenplatz fernhalten

Und für den normalen Menschen, der mit seinem Hund nur durch den Wald läuft, gilt auf jeden Fall, dass er den Kontakt zu Wildschweinen vermeiden sollte.

Zusätzlich sollte auf Grund der hohen
Widerstandsfähigkeit des Virus kein Muskelfleisch und Knochenmark an Hunde verfüttert werden, da die bei -18 C bis zu 36 Tage, gepökeltes Fleisch bis zu 20 Tage infektiös sein. Durch die Fleischreifung wird das Virus nicht abgetötet, selbst bei Fäulnis ist mit eine Infektiösität bis zum 12. Tag zu rechnen.

Bericht von K. Mutzbauer:

Auch dieser Kelch ist, wie einige andere in den letztenJahren, leider nicht an uns vorüber gegangen. Uns war bewusst, dass sich der Begriff „aujeszky-frei“ immer nur auf den Bestand an Hausschweinen in einem Land bezieht, da wir darauf von einem Neurologen
Behandlung unseres Rüden darauf hingewiesen worden waren.
Damals (2008) war es nicht lang her, dass 2 Jagdterrier nach einer Schwarzwildjagd jämmerlich daran zugrunde gegangen sind. Wir haben das Thema auch besprochen, uns aber darauf geeinigt, dass wir hoffen, dass eben nichts passiert weil die Prävalenz wohl nicht sehr hoch ist.

Jetzt, etwas mehr als 2 Jahre danach, würden wir uns wünschen, andere Konsequenzen daraus gezogen zu haben. Gerade sind zwei unserer Hunde an Aujeszky gestorben, nachdem sie vier bis fünf Tage nach einer Schwarzwildjagd mit einem erlegten Schwarzwild Kontakt hatten. Das war Mittwoch Mittag. Am Abend bin ich zum TA mit ihr, sie bekam Antibiotika und Entzündungshemmer. In der Nacht hat sie sich immer mehr am Ohr gekratzt, am nächsten Tag war Jagd und weil das Kratzen nicht besser wurde und sie insgesamt nicht fit war, ließen wir sie für die paar Stunden im Auto. Zurück beim Auto hatte sie sich das Ohr und die Umgebung inzwischen blutig gekratzt, alles war geschwollen. Als ich die Läsionen sah, musste ich sofort an Aujeszky denken. Es wurde jetzt rasant schlimmer, der Kratzzwang unkontrollierbar und sie nicht mal mehr fähig, auf allen Vieren zu stehen. Also sofort ab zum TA, der mich offensichtlich für völlig irre gehalten hat, als ich meine Befürchtung äußerte. Als Cortisoninjektionen nichts verbesserten sondern sie auch noch anfing zu winseln und schreien und riesige Mengen Valium nötig waren, um sie ruhig zu stellen, sah er jedoch ein, dass ich vielleicht doch Recht hatte. Also fuhren wir auf die Veterinärmedizinische Hochschule in Wien zur Notambulanz. Dort wartete schon der uns aus 2008
bekannte Neurologe, bestätigte unseren Verdacht und versorgte Aphaia mit Beruhigungsmitteln, Virostatika und Cortison – wohl wissend, dass vermutlich nichts davon mehr helfen würde.
Unsere größte Angst war jetzt, dass sich unsere anderen Hunde auch angesteckt haben könnten und daheim angekommen, mussten wir feststellen, dass Obi sein rechtes Auge zusammenkniff und sich rechts vorn am Fang bereits leicht wund gekratzt hatte und eine Schwellung verursacht hatte. Außerdem zuckte sein Kopf mehrmals pro Minute, als ob er einen „Tick“ hätte. Sein Appetit war gut wie immer. Das ohnmächtige Gefühl, wenn der eine Hund bereits im Sterben liegt und man beim anderen weiß, dass es genauso kommen wird obwohl er eigentlich noch recht fit aussieht und den ganzen Tag mit auf Jagd war, ist unbeschreiblich beschissen. Damit man wenigstens versucht, noch irgendwas zu retten, hat Christian Obi auch auf die Notambulanz gebracht, wo er irgendwelche neuartigen Virostatika in abartig hohen Dosierungen bekommen hat plus Cortison, außerdem wurde auch er ruhig gestellt, damit er sich nicht durchs Kratzen selbst verstümmeln kann.
Wie zu erwarten war, hat auch bei ihm – obwohl sicher noch nie ein Hund so früh nach der Infektion behandelt wurde, alles nichts geholfen, 27h nach Einlieferung ist auch er gestorben, nachdem Affis Herz bereits in der Früh nach der Einlieferung aufgehört hatte zu schlagen. Man muss sich mal die Ironie vorstellen – Obi hat 2008 eine schwere FSME Infektion, bei der ihm niemand eine Chance gegeben hat überlebt, um zwei Jahre später an Aujeszky zu sterben… Glück braucht man eben, im Leben. Jetzt sitzen wir hier, heulend, mit der unbeantworteten Frage nach dem „warum?“. Alle weiteren Drückjagden, bei denen die Jagdleiter nicht
unbedingt auf uns und unsere Hunde angewiesen sind, haben wir bereits gecancelt. Die Baujagdsaison wird auch anders aussehen ohne die beiden.
Der Verlust ist so unbeschreiblich schmerzvoll und vieles wird ab jetzt anders sein. Wenn man den Samstag, wo die Ansteckung stattgefunden haben muss rekapituliert, kommt heraus, dass das unselige Stück Schwarzwild
gegen Ende der Jagd von den beiden noch ordentlich gebeutelt worden ist, nachdem es erlegt worden war. GsD waren wir in 2 Gruppen unterwegs,  sonst hätte es schlimmsten Falls alle sieben erwischt.

Fazit1: Liebe Jäger, achtet in eurem eigenen Interesse darauf, dass der Schwarzwildkontakt eurer Hunde nicht länger ausfällt, als unbedingt und Rachenschleimhaut samt Gaumenmandeln (Speichel!!) und das Gescheide
(Ausschuss/Aufbruch!!). Leider ist es gar nicht nötig, dass die Hunde sich an einem erlegten Stück austoben oder es anschneiden, schon der Schleimhaut- und Speichelkontakt beim Binden eines angeschossenen oder gefangenen Stücks reicht für eine Infektion aus. Blut ist auch, jedoch weniger infektiös. Wenn man den Gedanken weiterspinnt, könnte theoretisch schon die Arbeit auf der Wundfährte ausreichen, wenn der Hund den Schweiß aufleckt oder Ausschuss aufnimmt (was in aller Regel passieren wird).

Österreich hat es offenbar nicht nötig, die Schwarzwild- bestände stichprobenartig auf Aujeszky zu testen, im umgebenden Ausland wird das jedoch gemacht. Dort gibt es Durchseuchungen zwischen 1-30% (!!). Wenn ich mir vorstelle, dass schlimmstenfalls fast jedes 3. Schwein mit dem die Hunde bei einer Jagd Kontakt haben
todbringend sein könnte, wird mir schlecht. Selbst wenn man eine Durchseuchung von „nur“ 1% annimmt, reichen statistisch 100 Schweine, mit denen die Hunde Kontakt haben müssen, um ein infektiöses dabei zu haben. Wenn man, wie wir, bis zu 4 Tage pro Woche auf Drückjagden unterwegs ist, ist es nur eine Frage der Zeit…

Fazit 2: Behandelt eure Hunde so gut ihr könnt und wertschätzt sie so, wie sie es verdient haben. Ganz schnell kann alles anders sein und nichts kann sie dann mehr
zurückbringen.

Bericht von Karin Mutzbauer – parson-russell.at