Kastration! Ja, nein – warum?

Hallo Ihr Lieben,

heute versuche ich mich mal einem Thema zu nähern, welches komplex ist und immer und immer wieder heftigst diskutiert wird.

Auslöser war ein etwas aus den Fugen geratener Beitrag auf FB, wo es darum ging, dass ein Paar auf dem Campingplatz mit einer Hündin aufschlug, die das erste Mal und das seit sechs Tagen läufig war. Ein Rüde zwei Parzellen weiter, wurde von den Besitzern immer im Freilauf gehalten (natürlich war dies auf dem CP nicht erlaubt), der Stellplatz des Wohnwagens der Hündinnenbesitzer wurde von diesen eingezäunt. Nun entwickelte sich ein fröhliches Miteinander, der Rüde belagerte den Stellplatz, markierte sehr oft den Zaun und liess sich nicht mehr abrufen. (Warum auch, wird wahrscheinlich im normalen Leben auch viel Freiraum haben.) Irgendwann waren alle genervt.

Verständlich, für beide Seiten. Was sich aber darauf entwickelte war in dem Post auf FB eine wahre Hexenjagd als eine unbeteiligte Rüdenbesitzerin ihre Meinung kundtat, die da war: Finde ich unglaublich, eine läufige Hündin gehört nicht auf den Campingplatz!

Es brach schon fast ein Shitstorm über der Frau herein, ich konnte beim Lesen das Fremdschämen nicht gut unterdrücken. Es wurde unsachlich, ging unter die Gürtellinie, selbst mahnende Stimmen wurden ignoiert. Am Ende wollten die einen den Rüden und die anderen die Hündin kastrieren lassen, nur, das sei betont, weil sich beide Seiten vom jeweils anderen Hund belästigt fühlten.

Worauf hin ich mir mal wieder die Frage stellte, was es eigentlich mit dem Thema Kastration und deren Nutzen im Zusammenleben für den Hundehalter und vor allem für den Hund wirklich auf sich hat.

Warum lassen Menschen ihre Hunde kastrieren?

  • aus gesundheitlichen Gründen / dazu gibt es mittlerweile hinreichend Material / folgen Sie auch den Links im Text um sich ein Bild zu machen
  • aus erzieherischen Aspekten / auch hier ist mittlerweile hinlänglich belegt, dass eine Kastration Erziehung nicht ersetzt.
  • um das Zusammenleben in unserer Gesellschaft zu erleichtern
  • und, zu guter Letzt, auch aus Bequemlichkeit.
  • wobei nicht auszuschließen ist, das hier der eine oder andere Punkt auch mehrfach bei einem Hund genannt wird.

Die Kastration des Hundes (Rüde/Hündin).

Vorab, ich bin keine Tierärztin, kann also aus gesundheitlicher Sicht nur auf die aktuellen Forschungen verweisen. Und den geneigten Leser bitten, der sich mit diesem Thema beschäftigt, meine Erfahrungen als das zu nehmen, was sie sind: Persönliche Erfahrungen, verbunden mit der Bitte zu überdenken, was für Sie der Grund für eine Kastration ist. Ich schildere hier einen Bruchteil an Erfahrungen aus bald 20 Jahren Zusammenleben mit mehreren Hunden – kastriert und unkastriert – einige Jahre davon bereits im gemischten Rudel.  Im Verlauf dieses Artikels werde ich dazu noch Links einstellen, die das Thema wissenschaftlich und/oder aus verhaltenstherapeutischer Sicht beleuchten. Das Lesen lohnt, wenn man sich vor einer Kastration seines Hundes informieren möchte.

Wie leben wir und warum sind dabei auch kastrierte Hündinnen?

Zur Zeit besteht unsere Gemeinschaft aus kastrierten und unkastrierten Hündinnen und einem potenten Rüden. Ist das Leben sonst in einer mehr oder weniger abgeklärten Gemeinschaft recht angenehm, verändert sich bei den Läufigkeiten natürlich einiges. Und, das nicht nur, weil wir einen intakten Rüden haben. Ist eine oder mehr als eine Hündin läufig haben wir so ca. 8 +/- Tagen (bei dem Zyklus von einer Hündin) wenig bis gar keine Schwierigkeiten, den Rüden und die Hündin auseinander zu halten, denn der Rüde weiß genau, wann es spannend wird. Er kontrolliert, spielt auch gern, aber läßt ansonsten die Mädels in Ruhe. Nicht immer die Mädels den Rüden, aber da sind alle etwas verschieden. Grundsätzlich kann man sagen, dass es die Mädels am liebsten miteinander treiben, der Rüde wird da eher etwas ausgeklammert.

Sind die Stehtage da, müssen wir trennen, keine Frage. Das dauert im Zweifelsfall (wieder bezogen auf eine Hündin) ca. fünf bis sieben Tage, dann fällt die Klappe und alles ist wieder gut. In der Zeit ist es aber für den Rüden anstrengend, er leidet, da gibt es nix drumrum zu reden. Er frißt schlecht bis gar nicht, nur durch Ablenkung, Einzelspaziergänge und ein bissl Training – ohne Weibsbilder im Hintergrund – kann man ihn etwas auflockern. Alle möglichen Mittel ihn zu beruhigen oder den Mädels den Eigengeruch zu nehmen, sind nicht wirklich von Erfolg gekrönt gewesen. Feststeht: Da müssen wir dann alle durch und es ist kein Spaß, aber, es könnte auch schlimmer sein.

Nachts schläft der Kerl allerdings, wie immer, in seiner geliebten Box (die liebt er wirklich) neben meinem Bett und sagt keinen Ton, egal bei welcher Phase der Läufigkeit. Er schläft einfach. Obwohl alle Mädels auch im selben Zimmer sind. Anfänglich waren wir der Meinung, dass die Trennung uns evtl. besser schlafen läßt, aber genau das Gegenteil war der Fall. Er ist am ruhigsten, wenn wir alle zusammen sind.

Zu unseren Mädels: Da wir auch züchten, wenn auch nur in kleinem Rahmen, ist eine Kastration naturgemäß kein Thema. Kastriert wurde eigentlich bei uns gar nicht, egal, ob in der Zucht oder nicht. Bis, ja, bis  zu dem Moment, wo wir große Probleme mit unserer damals 12jährigen Malinois-Hündin bekamen. Ich verkürze diese Geschichte. Sie fiel an einem Tag im Herbst in eine Art epileptischen Anfall. Diese Anfälle wiederholten sich, wenn sie wieder etwas zu Bewußtsein kam, ca. alle 10 Minuten. Wir sind mit wehenden Fahnen zu unserem Tierarzt, der erstmal ratlos war. Um den Hund nicht völlig versinken zu lassen, bekam sie schwere Medikamente und nach Stunden beruhigte sie sich langsam.

Es folgten Untersuchungen mit zwei dramatischen Ergebnissen. Schwerer Zucker und eine Gebärmutterentzündung, die dann später in eine Vereiterung überging. Wir mußten Insulin spritzen um den Zuckerwert halbwegs in den Griff zu bekommen, gleichzeitig gab es Antibiotika. Wenn der Zucker auf ein halbwegs normales Maß sinken würde, würde sie kastriert. Ein Risiko, eine alte, geschwächte Hündin zu operieren. Aber, Bambi war zäh. Sie hat die OP bestens überstanden und war ganz schnell wieder auf den Pfoten. Was aber noch viel überraschender war. Es gab einen Zusammenhang zwischen dem hormonellen Ungleichgewicht und dem Zucker. Nach der OP war der Zucker weg, sie mußte deswegen nie wieder behandelt werden und hatte noch zwei wirklich gute Jahre.

Wir haben daraus gelernt: Heute wissen wir, dass da ein direkter Zusammenhang besteht. Um die Hündinnen vor diesem Risiko zu schützen, wägen wir ab und lassen ggf. kastrieren. Für eine späte Kastration spricht für mich auch, dass das Risiko einer Gebärmutterentzündung steigt, weil das Gewebe des älteren Hundes nicht mehr so elastisch ist, und sich die Scheide, die während der Läufigkeit mehr geöffnet ist, danach nicht mehr so fest verschließt, was dazu führen kann, das Bakterien leichter in den Uterus eindringen können.

Link zum Thema: Zucker und unkastrierte Hündinnen

Fazit: Wir brauchen um zusammen zu leben, keine kastrierten Hunde. Es funktioniert auch so. Unseren Rüden interessieren läufige Hündinnen wirklich nur, wenn diese in den Stehtagen sind. Erst vor kurzem hat direkt er nach einer läufigen Hündin trainiert, die zudem noch auf dem Platz in Sichtweite anwesend war. Erst war er etwas unkonzentriert, aber, nachdem er es für sich geklärt hatte, dass da noch nix los ist, hat er seine Konzentration bei der Arbeit gehabt. Ja, bei uns dürfen läufige Hündinnen auch mittrainieren, warum auch nicht, sie sind ja nicht krank und die Arbeit hilft ihnen eher. Die wenigen Rüden, die anwesend sind, trainieren entweder am Anfang oder wie meiner, auch in direktem Kontakt, das kann er und hat er gelernt, er jammert nicht, sucht manchmal und schnüffelt, aber, meistens legt sich das innerhalb von kurzer Zeit und die Konzentration auf die Arbeit ist für mich immer ein sehr gutes Mittel für Jungs wie Mädels, sich abzulenken und Spaß zu haben. Auf den Agi-Turnieren kommt man an diesem Thema eh nicht vorbei, also gehe ich als Hundesportlerin diesem Thema auch nicht aus dem Weg.

Was ist noch spürbar während eines Zykluses der Hündin?

Auch haben wir Hündinnen, die sich in der Zeit der Läufigkeiten verändert haben. Deutliche Scheinträchtigkeiten waren nie unser Thema, aber trotzdem haben die Mädels damit zu tun. Legen sie im gesamten Temperament und ihrer Spiel- und Arbeitsfreude vor der Läufigkeit immer weiter zu, ändert sich dies teilweise massiv in der Zeit danach. Sie sind ruhiger, es wird auch schlechter gefressen und die Tage scheinen immer ein wenig grauer zu sein. Sind die zwei Monate der imaginären Trächtigkeit überstanden, ist die Welt wieder rosig und das Fressen schmeckt.

Vor vielen Jahren bei meiner ersten Parson-Hündin, die sehr selbstbewußt war, habe ich das Thema lange hin und her geschoben und auch mit meinem Tierarzt besprochen. Damals gab es diesen Trend, der aus den USA rüberschwappte, Hündinnen noch vor der ersten Läufigkeit kastrieren zu lassen. Das war mir schon immer unheimlich. Denn ich habe bisher bei jeder meiner Mädels bemerkt, wie sie sich von Läufigkeit zu Läufigkeit verändert haben, erwachsener und stabiler in ihrem ganzen Verhalten und Wesen wurden. Und, das sollte ich ihnen nehmen? Warum? Ich möchte einen erwachsenen, selbstbewußten Hund an meiner Seite und kein Dauer-Baby. Glücklicherweise gibt es heute auch genügend Hinweise und Untersuchungen, dass man auf diesen Trend nicht zwingend mehr aufspringen muss. Mein Tierarzt brachte dann noch ein Argument, welches mich endgültig davon Abstand nehmen ließ: die kastrierte Hündin verändert sich durchaus in ihrem Wesen, besonders bei einer selbstbewußten Dame kann noch ein bißchen was drauf kommen, was nicht immer so angenehm sein muss. Und, ich kann bestätigen, dass Hazel, als wir sie mit 10 Jahren kastrieren ließen, deutlich grummeliger wurde.

Auch diese meine Beobachtungen finden sich in den verlinkten Artikeln wieder.

Ein für mich immer wichtiges Thema: Die Veränderung des Wesens bei einem Kastraten. Dies wird häufig unter den Tisch gekehrt. Fast jeden, den man fragt, sagt: Alles wie immer! Finde ich schon erstaunlich, wenn ich einen Hund mit sechs Monaten oder einem Jahr kastrieren lasse, dies so festzustellen. Als ich früher oft am Grunewaldsee spazieren war, war ich nach einiger Zeit in der Lage relativ sicher, kastrierte Hunde von unkastrierten zu unterscheiden. Mag Zufall gewesen sein, vielleicht aber auch nicht. Die kastrierten Hunde zeigten sich anders im Spielverhalten, in der Kommunikation und wurden auch oft von ihren Artgenossen anders „behandelt“. Ich verweise dabei auch gerne auf unsere mittlerweile verstorbene Malinois-Hündin, die mit unkastrierten Rüden durchaus spielte, der kastrierte Rüde hingegen wurde nicht nur ignoriert, sondern im Zweifel auch verjagt und in keinster Weise toleriert. Sie hat da so offensichtlich einen Unterschied gemacht, dass es schon fast beängstigend in dieser Klarheit war. Kastraten waren nicht akzeptabel.

Ganz besonders schön finde ich auch die emotionale Ebene bei (meistens) Männern. Abgesehen davon, dass ich es wirklich nicht besonders toll finde, meine Hündin oder meinen Rüden ohne Not operieren zu lassen, bin ich immer wieder platt, wie Männer auf die Kastration eines Rüden reagieren. Man könnte glauben, sie würden allesamt mit kastriert. Wenn es nicht aufzeigen würde, wie wenig rational das Thema teilweise behandelt wird, könnte ich auch herzlich lachen.

Was aber defacto so ist:

Eine Kastration löst keine Erziehungsprobleme! Tut es einfach nicht! Erzählt ihnen das ihr Trainer/ihre Trainerin oder ihr Tierarzt? Wenn ja, schade drum. Oft wird der Weg des geringsten Widerstandes gesucht. Die Hoffnung, dass der kastrierte Rüde wie durch Wunderhand auf einmal hört, keine anderen Rüden mehr anstänkert und sich auch von dem kleinsten anwesenden Zwergpinscher poppen läßt, können wir in den Bereich der Märchen verschieben.

„Entsprechende Verhaltensmuster sind daher schon im frühen Welpenalter zu beobachten und relativ unabhängig von der später einsetzenden Hormonproduktion der Hoden. Viel entscheidender bei Rangordnungsproblemen zwischen Hund und Halter sind die Fehler, die der Mensch in vielen Fällen von Anfang an im Umgang mit dem Hund macht. Um solche Probleme zu beseitigen, bedarf es immer einer sorgfältig auf den Einzelfall zugeschnittenen Verhaltenstherapie. Nur bei einem kleineren Teil der Rangordnungsproblemfälle ist die Kastration als unterstützende Maßnahme notwendig und sinnvoll.“

Zitat
Kastration als Lösung von Verhaltensproblemen beim Rüden?
von Dr. Christiane Quandt, verhaltenstherapeutisch arbeitende Tierärztin, Fredersdorf bei Berlin

Ein kastrierter Hund hat auf jeden Fall eine veränderte Stoffwechsllage und neigt dazu, sein Futter besser zu verwerten. Das er aber deshalb ruhiger würde steht da nicht bei. Er wird vielleicht dicker und dann ruhiger.

Wobei, auch dies können wir nicht bestätigen. Beide kastrierten Hündinnen sind superschlank, fressen gerne und viel und nehmen nicht zu. Wir müssen nicht auf die Futtermengen achten, höchstens dabei, dass sie genug bekommen und nicht abnehmen. Warum auch immer das so ist, wir wissen es nicht.

Keine unserer Hündinnen hatte bisher jemals mit Krebs zu tun, wir wollen hoffen, dass das so bleibt. Nach der Kastration hatten wir bisher auch nie Probleme mit Inkontinenz. Vielleicht hatten wir Glück oder gute Operateure. Was sich deutlich verändert hat, war und ist die Fellqualität. Das Fell wird weicher und wolliger, die Hunde haaren allesamt viel mehr und die Unterwolle nimmt überdurchschnitllich zu, was bei einer Hündin auch zu vermehrtem Juckreiz geführt hat. Bei dieser Hündin können wir aber auch beobachten, dass sie durch die Folgen der Läufigkeit früher immer etwas sehr mitgenommen, dies jetzt nicht mehr hat und sie einfach in sich stabil ist.

Mein Fazit ist: Ich lasse meine Hunde nur kastrieren, wenn es unumgänglich ist, also es eine gesundheitliche Indikation vorliegt. Vorher lasse ich meinen Hunden immer die Zeit ihre Entwicklung, auch ihre Themen zu erleben, erwachsen zu werden und ihr Wesen auszuprägen. Würde es in jungen Jahren massive Gründe für eine Kastration geben (z.B. starke Scheinträchtigkeiten, Gebärmutterentzündungen, schnell wieder kehrende Läufigkeiten bei denen der Körper und die Psyche der Hündin keine Möglichkeit hat, sich zu regenerieren) würde ich dies mit einem Arzt meines Vertrauens besprechen und abwägen.

Kastration – fahrlässige oder vorsätzliche Körperverletzung

Ich würde nie einen Hund aus eigener Bequemlichkeit kastrieren lassen, seien es etwaige Erziehungsprobleme, die man abstellen möchte oder die blutende Hündin, die mehr Arbeit macht. Dies ist für mich eher ein Indiz, so hart das jetzt klingt, dass diese Hunde eben mitlaufen und funktionieren sollen/müssen, es wird versucht, sie zu deckeln, damit man nicht so viel Zeit in Erziehung oder Pflege investieren muss. Die Hunde, die aus gesundheitlichen Gründen kastriert werden müssen, diese Zahl ist, glücklicherweise im Verhältnis dazu sehr klein.

Was ich immer sage, wenn mich jemand um Rat fragt: Du weißt, was du hast, du weißt nicht, was du bekommst! Ist der Hund kastriert, ist es unumkehrbar.

Die gesundheitlichen Folgen und Vorteile kann man in dem nachstehend verlinkten, für mich zur Zeit einer der lesenswertesten, Artikel nochmals nachlesen.

Die Kastration beim Hund – Ein Paradigmenwechsel

Um den netten Doktor zu zitieren: Bleiben Sie uns gewogen (mag ich sehr) und halten Sie durch (beim Lesen).

 

 

 

 

FAQs

Die FAQs sind einige Fragen, die immer wieder aufgetreten sind und die wir Christine Tust, Anja Glück und meine Wenigkeit vor einigen Jahren beantwortet haben. Da diese immer noch Relevanz haben, denn die Rasse hat sich ja nicht grundlegend geändert, werden sie nachstehend aufgeführt.

Sie finden hier folgende Themen:

Welpen – Wie oft müssen sie raus und  wie lange kann man sie alleine lassen?

Dies ist mit Abstand der am häufigsten auftretende Fragenkomplex – weiterführend wird das Thema Stubenreinheit unter  „Stubenrein“ erläutert.

Welpen werden ca. nach der 8. Lebenswoche abgegeben. Die ersten Wochen  sind dann für die neuen Besitzer ziemlich stressig, denn der Welpe muss nun lernen, dass er nicht in die Wohnung machen darf und muss dazu      anfangs alle 1 – 2 Stunden rausgebracht werden. Junge Hunde sind  sehr gelehrig und begreifen schnell, was man von ihnen will, aber auch dann kann man sich auf einen zwei Stunden-Rhythmus einstellen für die erste Zeit. Sie können einfach nicht länger aushalten! Das heißt allerdings nicht, dass man den Hunden zwingen muss, wenn er z.B. schläft, dass er dann geweckt wird, um ihn rauszubringen. Wenn er schläft, dann wird schon nichts passieren, kritisch wird es erst,  wenn der Kleine wach wird, dann ist schon Eile geboten.

Nach und nach werden die Abstände größer, kleine Missgeschicke  passieren aber schon noch einmal (z.B. beim intensiven Spielen oder nach dem Fressen), darauf muss man sich einrichten. Dann nicht zu sehr schimpfen,      schnell rausgehen mit dem Hund.

Im Alter von 6 Monaten können die Hunde schon nachts etwa 8 – 9 Stunden durchhalten  und einen Tagesrhythmus von vielleicht drei oder vier Stunden einhalten.

Dies gilt nie für alle Hunde, jeder Hund ist da unterschiedlich,  das sind alles nur „pie-mal-Daumen“-Regeln! Wir haben schon  von Welpen gehört, die innerhalb von einer Woche  „stubenrein“ waren, so etwas gibt es, aber heißt nur: Der Welpe  hat verstanden, dass er nicht in die Wohnung machen soll – die Möglichkeit,  woanders zu machen, müssen Sie ihm geben, sonst ist bei allem guten Willen ihres Babys das nächste Malheur vorprogrammiert.

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Einen Welpen sollte man zunächst gar nicht alleine lassen.
Sie haben dann große Verlassensängste und werden zwangsläufig  heulen oder suchen Trost im „Möbelzerschreddern“ oder „Abtapezieren“. Man muss ihm erst ganz langsam beibringen, dass ihm nichts passiert und man immer wiederkommt. Hunde sind Rudeltiere,      die sich nun einmal am wohlsten fühlen, wenn ihr „Rudel“ immer  komplett ist.

Trainieren kann man zum Beispiel durch den Gang zum Mülleimer, zum  Briefkasten, in den Keller, dann zum Zeitungshändler, Bäcker, etc…

Sie sollten also mit Mini-Sequenzen anfangen und diese langsam steigern.

Schleichen Sie sich nie einfach davon!! Dann muss der Hund ja Angst bekommen, dass Sie ihn verlassen wollen. Machen Sie ein Ritual aus dem Weggehen, dass er sich merken kann. Z.B. lassen Sie ihn sitzen (wenn er es schon kann) und sagen: „Ich komme gleich wieder, sei schön brav“.  Sie können auch „Pudelmütze“ sagen, das ist dem Hund wurscht, aber lassen sie es zu einer wiederkehrenden Handlung werden, die er erkennen kann. Und loben Sie ihn, wenn er artig gewesen ist. Wenn er anfängt zu jaulen, Abstände wieder verkürzen und vor allem nicht „trösten“ wollen. Denn damit bestätigen Sie dem Hund, dass es ihm schlecht ging und er wird es nächstes Mal wieder tun. Gehen sie auf Jaulen nicht ein. Wenn möglich, gehen Sie erst wieder zu dem Hund, wenn er nicht mehr jault und loben ihn dann ganz doll. Belohnen Sie also sein Aufhören!

Wenn man ihnen Zeit gibt, lernen die meisten Hunde, einige Zeit alleine zu bleiben.

Dennoch sollte man sich klarmachen: Ein Hund sollte regelmäßig nie länger als ca. 5 Stunden alleine zu Hause bleiben!!! Wenn man einem Hund das nicht bieten kann, sollte man sich keinen anschaffen.  Und, wenn man schon einen hat und die Lebenssituation sich so verändert,          dass der Hund mit einem Mal alleine bleiben muss, sollte man sich an einen Hundeauslaufservice o.ä. wenden, um dem Hund noch ein halbwegs artgerechtes Leben zu bieten. Mehr dazu unter: Stressfreie Erziehung zum Alleinebleiben!

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Oder ist ein erwachsener Hund vielleicht besser  für mich geeignet?

Kann ich die Anfangsarbeit bei einem Welpen nicht leisten, sollte man sich nach einem erwachsenen oder zumindest schon einige Monate alten Junghund      umsehen. Das hat auch viele Vorteile, denn der Züchter – oder das Tierheim oder die Pflegestelle – können dann schon recht zuverlässige Aussagen über den Charakter machen und man kann oft einen Spaziergang mit dem Tier machen, um sich kennenzulernen und den Hund im Umgang mit anderen Hunden/Tieren/Menschen/Kindern beobachten.

Auslauf

Ein PJRT ist von der Veranlagung ein Arbeitshund und braucht als solcher viel Beschäftigung, nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Ca.  zwei Stunden Auslauf am Tag (mindestens eine Stunde am Stück richtig laufen können) sollte so ein Hund bekommen. Kann man nicht ganz so viel laufen (weil man mit Grippe im Bett liegt o.ä.) kann man hier Abhilfe durch vermehrtes Spielen zu Hause verschaffen.

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Rüde oder Hündin

Rüden sind dominant und Hündinnen ergeben ? Falsch!

Jackys sind grundsätzlich temperamentvolle Hunde – unabhängig vom Geschlecht. Es gibt immer dominantere und weniger dominante.

Bei einem  Rüden muss man sich evtl. auf kleine Machomanieren (z.B. verteidigt  eine Freundin gegenüber anderen Rüden) einstellen, Hündinnen können evtl. ein bisschen zickig sein (wie bei allen Hunderassen).

Der Vorteil eines Rüden: er wird nicht läufig. Nachteil, sie müssen jedes Mal mindestens (!) eine halbe Stunde pro Spaziergang  einplanen, weil er an jedem zweiten Baum ein bisschen pieselt (Revier markieren).  Außerdem werden einige „kopflos“, wenn läufige Hündinnen in der Nähe wohnen.

Der Vorteil einer Hündin: Sie laufen den Rüden nicht hinterher,  erledigen ihre Geschäfte zügiger (auch hier gibt es welche, die ihr Revier markieren, meist dominante Hündinnen). Oftmals sind sie nicht ganz so große Rabauken wie ihre männlichen Verwandten.

Nachteil ist hier die Läufigkeit (in der Regel zweimal im Jahr), wobei nur die Stehtage kritisch sind (evtl. sollte man sich eine Kastration überlegen).

Manche Menschen finden Rüden kerniger oder Hündinnen freundlicher,  das sind meist Erfahrungswerte mit nur wenigen Hunden.

Generell sollte man mit den Züchtern ein ausführliches Gespräch führen, welcher Welpe welche Charaktereigenschaften zeigt und danach entscheiden. Der Charakter des Hundes sollte zum Menschen passen (z.B.  ein Mensch der Agility machen möchte sollte keinen nervösen oder ruhigen Hund nehmen etc.), dann ist das Geschlecht egal. (Weiterführende Informationen zum Thema Auswahl des Züchters)

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Glatt- oder rauhaarig?

Das kann man bei einem Welpen selten genau bestimmen, höchstens aus der Erfahrung eine Vermutung abgeben. Es gibt glatthaarige Welpen aus zwei  rauhaarigen Elternteilen und rauhaarige aus nahezu glatthaarigen Eltern.  Oftmals zeigt sich ca. ab der 12. Woche eine Tendenz, manche Hunde ändern  ihre Haarqualität allerdings noch nach 6 Monaten. Man kauft eine Art „Wundertüte“.

Sprechen Sie auch hier mit den Züchtern, sie können Ihnen vielleicht sagen, ob diese Hündin bisher nur rauhaarige Welpen gebracht hat (etc.),  aber eine Garantie kann Ihnen keiner geben.

Farbe?

Die Farbe, weit ausgedehntes Kapitel: Grundsätzlich ist es so, dass ein JRT als Grundfarbe weiß haben sollte. Dazu kommen braune, schwarze  oder helle (fast gelbliche) Flecken.

Es ist nicht richtig, dass „wahre“JRT nur die dreifarbigen sind.

Es ist nicht richtig, dass JRT nicht weiß-schwarz sein dürfen  oder weiß-braun sein müssen.

Es ist Unsinn, dass Flecken an bestimmen Stellen sitzen müssen.

Es ist kein Manko, wenn der Hund keine Pigmente am Augenlid aufweist.

Warum: Ganz einfach, der JRT ist zur Fuchsjagd bestimmt. Er soll mehr weiß als Farbe aufweisen, damit man ihn nicht mit dem Fuchs verwechseln  kann, aber ansonsten ist es dem „Terrierman“ (und dem Fuchs)  wurscht, wo und welche Farbflecken der Hund hat.

Welche Zeichnung man bevorzugt, hängt einfach vom persönlichen Geschmack ab.

Die Farbenlehre ist übrigens ein spannendes und komplexes Thema, ich habe darüber auch in meinem Buch ein Kapitel verfaßt :-).

Die Kosten

Achja, dann die Frage nach den Kosten. Der Welpe, der Tierarzt, die   Hundesteuer, Versicherung, Futter, Zubehör….usw.

Grundsätzlich läßt sich sagen, dass die Anschaffung nur ein kleiner Teil der Kosten ist, die im Laufe der Jahre auf sie zukommen werden. Über den Daumen gepeilt, kostet ein Parson-Jack-Russell-Terrier von einem anerkannten Züchter zwischen 750,– und 1.500,– € wobei auch hier sicherlich noch Schwankungen von Züchter zu Züchter oder regional festgestellt  werden können.

Die Folgekosten sind aber sicherlich der Teil, der wesentlich mehr ins Gewicht fällt. Tierarzt mit Impfungen und Behandlungen machen,  neben dem Futter, einen großen Posten aus, hier würde ich, gerade wenn der Hund noch jung ist, mit mehr Kosten rechen, ca. 30,00 € pro  Monat. Hat sich ihr Baby erstmal konsolidiert, kommen nur noch die Impfungen (einmal pro Jahr) und gelegentliche Wehwechen hinzu.

Die Ernährung. Kein Hund sollte sich ihre Nahrung mit Ihnen teilen  und zum Resteverwerter werden. Speziell zusammengestellte und auf den jeweiligen      Energiehaushalt eines Hundes abgestimmte Hundenahrung ist nicht so teuer und der Hund wird es Ihnen mit einer langen Gesundheit danken. Hier kann      ich kaum eine Hausnummer angeben, aber ich denke zwischen 1,00 bis 2,00 € (für unsere Zwerge) täglich ist vorstellbar.

Versichert werden muss der Hund auch, eine Hundehaftpflicht ist zwischen ca. 60,00 und 150,00 € pro Jahr erhältlich und auf vielen Hundeplätzen Pflicht. Bei Listenhunden gelten andere Preise, oder sie werden auch bei vielen Gesellschaften  gar nicht angenommen.

Die Hundesteuer: Die ist von Stadt und Region her ganz unterschiedlich, in Berlin kostet ein Hund bald vielleicht 150 € pro Jahr, in ländlichen  Gebieten ist es oft weniger.

Und haben Sie sich überlegt, wo der Hund untergebracht wird, wenn Sie verreisen und Sie ihn nicht mitnehmen können, auch hier können  Kosten auf Sie zukommen. Und auch die Unterbringung am Urlaubsort kostet      evtl. mehr, die Bahnkarten usw.

…und der ganze Zusatzbedarf: Das ist das, was wir alle so gerne einkaufen, Spielzeug, Knochen, Decken, Körbe, Käfige, Näpfe, Leinen und Halsbänder undundund. Hier gibt es nach oben keine Grenze.

… und ein ganz wesentlicher Faktor: Egal, was der Hund geldlich kostet, er  „kostet“ Zeit, er braucht Aufmerksamkeit und die lässt sich  nicht kaufen, sondern die muss man sich nehmen, gerade ein Jack-Russell in  seinem ersten Lebensjahr ist sehr anspruchsvoll, investieren sie hier viel,  werden Sie dafür später doppelt und dreifach belohnt.

Sicherlich wiederholen wir uns hier, aber unserer Meinung nach, ist einer  der wichtigsten Faktoren für die Anschaffung eines Hundes: Haben Sie die nötige Zeit, sich einem jungen Hund zu widmen und hier sprechen  wir, wie Eingangs schon erwähnt davon, nicht von den kurzen Gassigängen oder von einem Laufenlassen im Garten, sondern von Dingen wie Hundeschule, Üben,  Spaziergänge, die mit An- und Abfahrt gerne zwei Stunden und mehr brauchen und vieles mehr.  Seien Sie sich selbst gegenüber ehrlich, und schätzen Sie ab, wie viel Zeit Sie wirklich in Ihrem Tagesablauf erübrigen können. Eine ganz sachliche Bestandsaufnahme wird Sie und den Hund davor bewahren, dass es dann doch nicht klappt.

Nicht berücksichtigt wurden Fragen: Wie finde ich den richtigen Züchter? Hierzu gibt es ein eigenes Kapitel Züchterauswahl.

So, genug der vielen, vielen Worte: Wir wünschen Ihnen viel Freude bei der Bestandsaufnahme und noch viel mehr Freude mit Ihrem neuen Gefährten und hoffen, dass wir Ihnen mit dieser Auflistung ein paar der dringensten Fragen beantworten konnten.

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